Richtig gehen lernen
Gehen begleitet uns jeden Tag – meist, ohne dass wir darüber nachdenken. Dabei ist ein natürlicher Bewegungsablauf ein Zusammenspiel aus Körperhaltung, Schrittlänge, Gleichgewicht und der Bewegung der Füße. Wer richtig gehen lernen und die eigene Gehweise bewusster wahrnehmen möchte, muss daraus jedoch keine komplizierte Technik machen. Oft geht es vielmehr darum, natürliche Bewegungen zuzulassen und ungünstige Gewohnheiten zu erkennen.
Was bedeutet richtig gehen?
Richtig zu gehen bedeutet nicht, jeden Schritt nach einem starren Ideal auszuführen. Menschen unterscheiden sich in Körperbau, Beweglichkeit und Gangbild. Ein natürlicher Gang wirkt deshalb bei jedem etwas anders.
Grundsätzlich sollte sich der Körper beim Gehen möglichst ungezwungen bewegen. Der Oberkörper bleibt aufgerichtet, der Blick geht nach vorne und die Schultern sind entspannt. Die Arme dürfen locker im Rhythmus der Schritte mitschwingen.
Auch die Schrittlänge spielt eine Rolle. Sehr große Schritte können dazu führen, dass der Fuß weit vor dem Körper aufgesetzt wird und die Bewegung weniger fließend wirkt. Angenehmer ist meist eine natürliche Schrittlänge, bei der sich der Körperschwerpunkt gleichmäßig nach vorne bewegt.
| Worauf Sie beim Gehen achten können | Was damit gemeint ist |
| Aufrechte Haltung | Oberkörper aufrichten, ohne sich steif zu machen |
| Blick nach vorne | Den Kopf möglichst natürlich über dem Oberkörper halten |
| Angenehme Schrittlänge | Schritte nicht unnötig verlängern |
| Ruhiges Aufsetzen | Den Fuß kontrolliert aufsetzen, ohne zu stampfen |
| Fließendes Abrollen | Das Gewicht gleichmäßig nach vorne verlagern |
| Entspannte Bewegung | Schultern und Arme locker im Gehrhythmus bewegen |
Wer genauer verstehen möchte, welche Strukturen dabei zusammenspielen, findet im Beitrag [Der menschliche Fuß] weitere Informationen über Aufbau und Funktion unserer Füße.
Wie sollten die Füße beim Gehen abrollen?
Beim normalen Gehen setzt der Fuß häufig zunächst mit dem Fersenbereich auf. Anschließend verlagert sich die Belastung über den Mittel- und Vorfuß nach vorne, bevor der Fuß über die Zehen wieder vom Boden abstößt.
Dieser Ablauf wird häufig als Abrollen des Fußes bezeichnet. Er sollte möglichst fließend erfolgen und nicht bewusst erzwungen werden. Wie genau ein Mensch auftritt und abrollt, kann individuell unterschiedlich sein.
Wer die Füße richtig abrollen möchte, sollte deshalb weniger versuchen, jede einzelne Phase des Schrittes zu kontrollieren. Hilfreicher ist es, auf einen gleichmäßigen Bewegungsfluss zu achten:
- Gehen Sie mit einer für Sie angenehmen Schrittlänge.
- Setzen Sie die Füße ruhig und kontrolliert auf.
- Lassen Sie das Körpergewicht gleichmäßig nach vorne wandern.
- Vermeiden Sie bewusstes Stampfen oder dauerhaftes Schlurfen.
- Lassen Sie Füße und Zehen beim Abstoßen natürlich mitarbeiten.
Vor allem bei Menschen, die viel sitzen oder sich im Alltag wenig bewegen, kann es zunächst ungewohnt sein, den eigenen Gang bewusst wahrzunehmen. Das Ziel ist jedoch nicht, ständig über jeden Schritt nachzudenken. Natürlich gehen bedeutet gerade, dass die Bewegung mit der Zeit wieder selbstverständlich und ungezwungen abläuft.

Welche Rolle spielt die Körperhaltung beim Gehen?
Eine aufrechte Haltung unterstützt einen harmonischen Bewegungsablauf. Dabei geht es nicht darum, Brust und Schultern steif nach hinten zu ziehen. Der Körper sollte vielmehr aufgerichtet und gleichzeitig locker bleiben.
Der Kopf befindet sich ungefähr über dem Oberkörper, der Blick ist nach vorne gerichtet und die Schultern hängen entspannt. Becken und Oberkörper bewegen sich beim Gehen leicht mit. Auch diese kleinen Bewegungen gehören zu einem natürlichen Gang.
Ein hilfreiches Bild kann sein, sich beim Gehen etwas größer zu machen, ohne sich anzuspannen. Oft genügt bereits diese kleine Veränderung, um weniger zusammengesunken zu laufen.

Gesund gehen beginnt mit regelmäßiger Bewegung
Ein natürlicher Gang braucht Bewegung. Wer viele Stunden am Tag sitzt und nur kurze Wege zurücklegt, gibt Füßen, Muskeln und Gelenken entsprechend wenig Gelegenheit, ihre normale Bewegungsfunktion zu nutzen.
Dafür ist keine bestimmte Schrittzahl erforderlich, die für jeden Menschen gleichermaßen gelten würde. Entscheidend ist vielmehr, regelmäßige Bewegung passend zur eigenen körperlichen Verfassung in den Alltag einzubauen.
| Idee für mehr Bewegung im Alltag | Einfache Umsetzung |
| Kurze Wege zu Fuß | Kleine Besorgungen oder Wege bewusst gehen |
| Treppen nutzen | Wenn möglich häufiger die Treppe statt des Aufzugs wählen |
| Spaziergänge einbauen | Kurze Bewegungspausen über den Tag verteilen |
| Unterschiedliche Untergründe nutzen | Abwechslung beim Spazierengehen schaffen |
| Schritte bewusst wahrnehmen | Gelegentlich auf Haltung und Bewegungsfluss achten |
Barfußgehen kann die Füße ebenfalls auf eine andere Weise beanspruchen als das Gehen in Schuhen. Ob und für wen sich Barfußschuhe eignen, ist jedoch ein eigenes Thema. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber [Barfußschuhe oder normale Schuhe].
Welche Rolle spielen Schuhe beim natürlichen Gehen?
Schuhe begleiten den Fuß bei einem großen Teil unserer täglichen Schritte. Sie sollten deshalb gut passen und ausreichend Bewegungsfreiheit bieten.
Besonders wichtig ist, dass der Schuh weder drückt noch unnötig locker sitzt. Die Zehen benötigen genügend Platz, während der Fuß im Schuh gleichzeitig sicheren Halt haben sollte. Auch eine zur eigenen Fußform passende Weite trägt dazu bei, dass sich der Fuß beim Gehen möglichst ungezwungen bewegen kann.
Wie flexibel oder stabil ein Schuh sein sollte, lässt sich dagegen nicht pauschal beantworten. Fußform, persönliches Empfinden, Untergrund und Einsatzzweck spielen dabei eine Rolle. Ein geeigneter Schuh soll den natürlichen Bewegungsablauf begleiten – nicht einen bestimmten Gang erzwingen.
Wer sich näher mit Bewegungsfreiheit und bewusst natürlichem Gehen beschäftigen möchte, findet dazu auch Informationen unter [Natural Move].
Den eigenen Gang bewusster wahrnehmen
Wer richtig gehen lernen möchte, kann zunächst beobachten, wie sich das eigene Gehen anfühlt. Sind die Schritte fließend oder eher schwer? Ist der Oberkörper locker? Haben die Zehen ausreichend Raum? Wird der Fuß ruhig aufgesetzt und natürlich nach vorne bewegt?
Solche Beobachtungen können helfen, Gewohnheiten wahrzunehmen, ohne aus dem Gehen eine Übung zu machen. Ein natürlicher Gang sollte sich vor allem angenehm und ungezwungen anfühlen.
Treten beim Gehen regelmäßig Schmerzen auf oder verändert sich das Gangbild deutlich, sollte die Ursache fachlich abgeklärt werden. In diesem Fall geht es nicht darum, eine vermeintlich „richtige“ Gehweise selbst zu erzwingen.
Natürlich gehen statt jeden Schritt kontrollieren
Richtig gehen bedeutet vor allem, dem Körper einen möglichst natürlichen Bewegungsablauf zu ermöglichen: mit aufrechter, entspannter Haltung, einer angenehmen Schrittlänge und einem fließenden Abrollen der Füße. Regelmäßige Bewegung und gut passende Schuhe können dafür geeignete Voraussetzungen schaffen.
Dabei gibt es nicht den einen perfekten Schritt für alle Menschen. Wer seinen eigenen Gang bewusster wahrnimmt und auf ein angenehmes, ungezwungenes Bewegungsgefühl achtet, hat bereits einen wichtigen Schritt zu natürlichem Gehen gemacht.